Der geheimnisvolle See

Im Märchenland, weit hinten im Wald, da gab es einen wundersamen See, den Spiegelsee. In dem Spiegelsee da spiegelte sich alles. Die Bäume am Ufer und der Himmel über dem See. Wenn jemand hineinschaute konnte er sich nur selbst sehen, niemals bis zum Grund. Mitten im See war eine kleine Insel. Zuerst fällt einem ein besonders großer und dicker Baum auf. Dieser Baum ist hohl und wenn man einen bestimmten Zweig vom Baum holt, dann kann man hineingehen. Und dahinter lag eine Höhle.
Seit einigen Tagen lebte in diesem Baum die Königin Ruth. Sie hatte sich mit der Hexe, die in der Nähe von ihrem Schloss lebte, gestritten. Da wurde die Hexe so böse, dass sie die Königin Ruth hier an diesen Spiegelsee auf der Insel verbannte. Das schlimmste aber war, dass Ruth zwar in der Höhle ihre Gestalt behielt, aber sobald sie aus dem Baum trat, verwandelte sie sich in eine kleine Maus. Ihr goldener Armreif, der besondere Kräfte besaß, wurde dann ganz klein und befand sich an ihrer vorderen Pfote.
Jedes Mal wenn Ruth nun ins Wasser sah, dann sah sich immer als eine kleine Maus. Darüber war sie sehr unglücklich. In ihrer Höhle da gab es nichts in dem sie sich spiegeln könnte. Sie hatte diesen Aufenthalt hier schrecklich satt. Wie schön wäre es, wenn sie wenigstens auf dem Spiegelsee segeln könnte.
Als Ruth wieder einmal als Maus draußen auf der Insel herumlief, da entdeckte sie eine Kokospalme mit ganz großen Früchten. Sie kletterte auf den Baum und drehte an ihrer Zauberspange. Da fiel eine große Kokosnuss herunter u. brach in zwei Teile. Den einen Teil verwandelte sie in ein Segelboot und die zweite Hälfe füllte sie mit dem Spiegelwasser und so hatte sie nun auch in ihrer Höhle einen Spiegel. Aber sie war schrecklich traurig. Sie wollte so gerne wieder nach Hause auf ihr Schloss. Aber der Hexenfluch war so stark, dass auch ihre
Zauberspange diesen Fluch nicht aufheben konnte.
Eines Tages, Ruth räumte ein bisschen die Höhle auf, da fand sie ein Stück Papier. Neugierig faltete sie es auseinander. Sie konnte es kaum fassen, sie hatte eine Schatzkarte entdeckt. Und dieser Schatz musste hier in dieser Höhle sein. Ganz aufgeregt überlegte sie. Sie wusste, dass die Hexe Schätze mochte und so beschloss sie diesen Schatz der Hexe zu schenken, wenn sie sie wieder zurück in ihr Schloss zaubern würde.
Ruth drehte an ihrem Reifen und wünschte sich eine Zauberkugel. Mit der Zauberkugel in der Hand rief sie: „ Hexe erscheine! Ich muss mit dir reden. Nach einiger Zeit erschien die Hexe in der Zauberkugel. „Was gibt es, dass du es wagst mich zu stören. „Höre Hexe. Ich mache dir einen Vorschlag. Ich habe etwas, was du bestimmt gerne haben möchtest. Wenn du mich wieder zurück zu meinem Schloss bringst, dann sollst du es haben.“ „Was ist es?“ „Nein! Erst musst du es mir versprechen.“ „ Also gut. Ich verspreche es. Aber nur wenn es was ganz besonderes ist.“ „Ich habe eine Schatzkarte gefunden. Der Schatz ist hier in der Höhle. Du kannst diesen Schatz
haben. Aber ich warne dich. Ich habe auf diesem Schatz einen Fluch gesprochen. Wenn du mich hintergehst, dann wird dieser Schatz sofort zu einer Maus. Und du kannst diesen Fluch nicht aufheben.
Die Hexe war begeistert. Sie würde einen Schatz bekommen. So versprach sie, die Königin wieder zurück zu ihrem Schloss zu bringen. Sie verabredeten sich noch an diesem Abend. Sie wollten sich bei dem Kokosbaum treffen. Und dann war es soweit. Ruth und die Hexe trafen sich beim Kokosbaum.
Sie gingen in die Höhle und Ruth gab der Hexe die Schatzkarte. Sie schlichen vorsichtig einen Gang entlang. Dann mussten sie noch etwas tiefer nach unten. Gott sei Dank hatten sie eine Fackel mitgenommen, denn hier unten war es total dunkel. Es roch auch irgendwie komisch. So feucht und modrig. Ruth schauderte. Aber sie war ja nicht allein.
Doch plötzlich hörten sie etwas klappern und knirschen. Was konnte denn das sein? Da sahen sie es. Direkt vor ihnen war ein Skelett und hatte ein Schwert in seiner Knochenhand. Es klapperte und fuchtelte mit allem. Und direkt hinter dem Skelett stand eine Truhe. Das musste der Schatz sein!
Da holte die Hexe ihren Zauberstab und rief. „ Skeletthand öffne dich sofort! Schwert komm zu mir!“ Die Skeletthand öffnete sich und das Schwert schwebte zur Hexe. Das Skelett jedoch hatte solche Angst, dass es zusammenfiel und nicht mehr aufstand. Schnell holten Ruth und die Hexe die Truhe mit dem Schatz und liefen zurück.
Sie traten aus dem Baum heraus und Ruth war wieder eine Königin. Die Hexe hatte ihr Versprechen gehalten. Vor lauter Freude fiel Ruth der Hexe um den Hals. Auch diese musste nun lachen und sprach: „ Wir sollten unseren Streit vergessen und gemeinsam nach Hause fliegen.“ Sie rief ihren Hexenbesen und dann setzten sie sich auf den Hexenbesen, die Truhe hatte sich die Hexe auf den Rücken geschnallt und sie flogen über den Spiegelsee nach Hause.
Nach einiger Zeit konnten sie schon das Schloss mit dem schönen Schlossgarten sehen. Die Hexe hatte solch ein Spektakel gemacht, dass alle die im Schloss waren heraus liefen um zu schauen was da los sei. Da sahen sie ihre Königin und jubelten. Alle waren sehr traurig gewesen, als die Königin verschwunden war. Aber nun würde wieder alles gut werden. Kaum waren die Hexe und die Königin gelandet, da hatten auch schon alle Bediensteten das besten Essen und Trinken nach draußen gebracht. Es wurde ein rauschendes Fest. Alle waren glücklich und zufrieden. Da nahm die Königin die Hand der Hexe und fragte: „ Willst du in Zukunft hier bei mir im Schloss wohnen? Du kannst die Stube im Turm haben. Dann kannst du von da oben weit ins Land schauen und siehst und hörst alles.“ Die Hexe nahm dieses Angebot gerne an. Und so lebt sie heute noch in dem Turm im Schloss.

 

Geschichtenwerkstatt am 19.01. und 02.02.2010 mit den Kindern:
Elisabeth, Franziska, Jonas, Sina, Isabell, Raphael, Maya, Florian, Kevin, Patrizia und

Hedi Reinmann

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Bilder zur Geschichte